Distanz: 41.0 km
Gesamter Aufstieg: 1500 m
Fahrtzeit: 3 Std. 47 min.
Standzeit: 1 Std. 30 min. (Mittag auf der kleinen Scheidegg)
Um Punkt 5:30 Uhr riss mich mein Wecker aus dem Tiefschlaf. Und das wohlgemerkt in meinen Ferien! Aber schliesslich hatte ich heute einen etwas längeren Anfahrtweg als sonst vor mir. Zudem war es in den letzten Tagen besonders im Berner Oberland gewitterhaft und dieses Risiko wollte ich möglichst vermeiden. Umso überraschter war ich dann, als sich im Raum Bern der Himmel plötzlich verdunkelte und die Strassen in Zweilütschinen von den nächtlichen Gewittern immer noch nass waren. "Das wird sich schon noch bessern", dachte ich mir und verliess mich voll und ganz auf die heutige Wetterprognose.
Die ersten 12 Kilometer der Tour folgten mehrheitlich der schwarzen Lütschine entlang Richtung Grindelwald. Auf dieser Teilstrecke hatte ich ca. 350 Höhenmeter zu überwinden, was zum einfahren gerade richtig war. Die Sonne blinzelte nun doch hinter den Wolken hervor und trieb mir den Schweiss aus den Poren. Kurz vor Grindelwald und direkt unter der Gondelbahn bog dann die Strasse rechts in einen Steilhang hinein.
Bevor das Abenteuer "kleine Scheidegg" aber so richtig losgehen konnte, musste ich mich noch einmal mit einem Isostar-Riegel stärken und gönnte mir eine kurze Pause auf einer Parkbank. Der geteerte Weg wurde nun so steil, dass ich das erste Mal vom Bike steigen und einige Meter zu Fuss zurücklegen musste. An den Dörfern "Itramen" und "An der Egg" vorbei erklomm ich Meter für Meter, bis ich direkt unter der Eigernordwand stand. Leider war der Berg tief in Wolken verhüllt und so bekam ich nur einen winzigen Teil der imposanten Felsmassen zu Gesicht. Zudem begann es nun leicht zu nieseln und vom gegenüberliegenden Hang war lautes Donnergrollen zu hören. Mit gemischten Gefühlen setzte ich meine Fahrt aber trotzdem fort. Der schmale Weg führte nun durch ein abgelegenes Waldstück (wo ich unter anderem den "Wärglstalbach" überquerte) bis direkt zu den Gleisen der "Wengernalpbahn", wo ich einige Bilder knippste:
Einen Blick zurück zeigte mir noch einmal den Ferienort Grindelwald und weit hinten der Übergang über die grosse Scheidegg zur Schwarzwaldalp, Rosenlaui-Gletscherschlucht und in's Haslital. Weiter rechts türmte sich das Wetterhorn mit seinen Gletschern in den Himmel. Übrigens ist die grosse Scheidegg mit 1960 Meter ein bisschen weniger hoch als die kleine Scheidegg. Eigentlich komisch...
Unterdessen kamen mir immer mehr Wanderer entgegen, die vermutlich mit der Bahn auf den Gipfel fuhren und jetzt zu Fuss zurück in's Tal wanderten. Auch keine schlechte Idee, denn langsam aber sicher machte sich der durchnässte und kräftezehrende Boden in meinen Beinen bemerkbar. Und so war ich froh, als ich weit hinten das erste Mal das Hotel auf der Scheidegg erblicken konnte. Aber noch fehlten einige Höhenmeter bis zum Gipfel. Oben angekommen, machte ich dann zuerst einige Bilder vom Bahnhof und von meiner GPS, damit auch diese Daten sauber dokumentiert waren!
Jetzt war die Zeit gekommen, um mein eingepacktes Mittagessen zu vertilgen und meinen Arbeitskollegen in Baden über das Handy ein wenig Support zu leisten, die Daten von meinem Laptop benötigten :-) Jetzt merkte ich erst, dass es hier oben auf über 2000 Meter über Meer doch ziemlich kühl war und ich natürlich keinen Windbreaker eingepackt hatte. Wer denkt da schon dran, wenn im Unterland weit über 30° Celsius gemessen werden. Weil sich die Wolken nicht lichteten und von Eiger, Mönch und Jungfrau überhaupt nichts zu sehen war, entschloss ich mich schon bald wieder für die Weiterfahrt Richtung Wengen. Und wie wenn ich nicht schon genug bestraft wurde, begann es jetzt auch noch richtig zu regnen, was den Downhill Richtung Lauterbrunnen auch nicht besonders erleichterte. Etwas hatte ich aber eingepackt. Ein Frottiertuch! Was ursprünglich für den Schweiss gedacht war, konnte ich nun gut gebrauchen um das Wasser und den Schmutz vom Körper zu wischen. Während der Heimfahrt erzählten sie dann in den Nachrichten, dass die Wetterfrösche ob des schlechten Wetters im Raum Bern selbst ziemlich überrascht waren. Diesen Eindruck konnte ich (leider) nur bestätigen!
Den höchsten Punkt hatte ich heute genau nach 22,02 Kilometern auf der kleinen Scheidegg erreicht. Zu beachten gibt es noch, dass die eigentliche Steigung erst ab dem 10. Kilometer begann und ich dann auf einer Strecke von 12 Kilomentern 1100 Höhenmeter zu überwinden hatte.
